Einführung

Poetische Verfahren bestimmen die Art, wie sich literarisches Wissen konstituiert und artikuliert. Dieses literarische Wissen ist jedoch unterschieden von jenem, das in den poetischen Verfahren selbst als Verfahrenswissen zum Zuge kommt. Das Online-Lexikon poeticon.net ist Sammelstation, Explikationsfeld und Übertragungsmedium dieses Verfahrenswissens.

Das Online-Lexikon poeticon.net versammelt Beiträge von a bis z mit Arbeitsdefinitionen, die den Prozess des literarischen Schreibens einerseits nach Verfahren, andererseits nach Konzepten zu erhellen versuchen.

Unter Verfahren werden diejenigen Tätigkeiten erörtert, die beim literarischen Schreiben zum Einsatz gelangen können. Da es sich hierbei um Prozesse handelt, sind die einzelnen Beiträge zu den poetischen Verfahren konsequent nach Verben, also Tätigkeitswörtern, geordnet. Ziel ist es, den Begriff der Poetik (wieder) für jene Verfahren stark zu machen, die im Prozess des Schreibens und also nicht erst oder allein im Geschriebenen oder schliesslich Gedruckten am Werk sind.

Unter Konzepten werden Einträge versammelt, die man traditionellerweise als Grundbegriffe der Poetik bezeichnet und die man als entsprechende Substantive kennt. Hier jedoch geht es darum, den möglichen Stellenwert dieser Begriffe, die als literaturwissenschaftliche Fachtermini etabliert sind, für den Prozess des Schreibens zu bestimmen. Aus einer produktionsästhetischen Perspektive heraus gedacht, können diese Grundbegriffe sich als mögliche Anhaltspunkte für die spezifische Stoßrichtung eines Schreibprojektes erweisen.

Im Vordergrund steht in allen Beiträgen das produktionsästhetisch motivierte Interesse an der Poetik von Schreibprozessen. Diese bleibt in der Vielfalt der Verfahrensweisen zu entdecken und lässt sich auf die Poetik des schließlich Geschriebenen oder Gedruckten nicht reduzieren.

Das Online-Lexikon poeticon.net ist ein Work in Progress. Es wurde zuerst (zwischen 2008 und 2011) als Lehr- und Lernprojekt an der Universität Hildesheim entwickelt. Seit 2011 wird es an der Universität Zürich weitergeführt und weiterentwickelt. Die Einträge werden nach und nach aufgeschaltet. Die Struktur dieser Einträge besteht aus einer Mischform aus vorab festgelegten und fortlaufend erweiterbaren Anteilen. Damit reflektiert auch die Publikationsform des Online-Lexikons das Interesse an der Dynamik von Produktionsprozessen und ergebnisoffenen Arbeitsformen.